Zusammengeflickt– Text und Galerie zur Einheit

Für einen Berliner spielt die deutsche Einheit natürlich eine große Rolle. Ich kann diese Stadt garnicht mit Mauer denken, habe sie selbst ja auch nie erlebt.
Wenn man lange in der Stadt wohnt sieht man schon eine Menge auf den Straßen und merkt, wie die Stadt ganz anders wird.
Wenn wieder mal ein Club schließen muss, weil das Gelände an Investoren verkauft wurde.
Wenn wieder mal Leute aus ihrem Kiez herausgentrifiziert werden.
Wenn wieder mal Städteplaner generische Weltstadtarchitektur in Weltkriegslücken ballern.

Dann merkt man, das Berlin einfach noch nicht fertig ist und keiner weiß, was genau das ganze eigentlich werden soll. Es ist, als hätte man Kindern eine Kiste Bauklötze gegeben und sie gebeten, etwas gemeinsam zu bauen. Was Einheitliches kommt da nicht heraus. Wie auch…?

Irgendwie sagen alle sie hätten Pläne. Und die haben sie auch: Stadtentwicklungspläne, Bebauungspläne, Pläne für Milieuschutz, Flughafenpläne, Investitionspläne. Und jeder macht seinen Plan und weiß nichts von den Vorhaben der anderen. Oder will eben nichts davon wissen.
Und dann erzählen Touristen einem, dass Berlin ein Wunderland sei, wo das Leben die süßen Trauben im Munde notfalls auch zu Wein macht. Wo Arbeit eigentlich sekundär ist, weil alles nichts kostet.
Aber Berliner gibts hier keine, das sei irgendwie schade. Aber dann wieder auch nicht, weil die eh alle unhöflich sind.

Dann sieht man im Fernsehen Immobilieninvestoren die in feuchten Spreeufererschließungsplänen schwelgen und zentrumsnahes Wohnen zynisch zum Luxusgut verklären. Die öffentlichen Verkehrsmittel funktionierten ja gut, da kann man schonmal außerhalb des S-Bahnrings wohnen. Kann nur einer sagen, der sie nie benutzt.
War im Sommer nicht die Ost-West-Achse der S-Bahn gesperrt? Aber wer will in Berlin schon zwischen Westen und Osten reisen?

Dann trifft man auch Leute, die alternative Wohnprojekte hochziehen und die Stadt grüner machen wollen. Menschen die eine soziale Stadt wollen, die durchaus auch mal schmuddelig sein darf, wenn’s denn gefällt.

Diese Stadt ist eine riesige Projektionsfläche.

Das alte Berlin schwindet jeden Tag, und auch vieles was in der Wendezeit hier blühen konnte geht langsam ein. Ist halt so. Dieses Zeitbiotop war endlich, Berlin ist kein Wunderland.

So vieles, an das ich mich erinnere, ist verschwunden. Aber zur selben Zeit entsteht hier so viel Neues. Und ich rede nicht von irgendwelchen Hipsterkaffeeläden oder Kinderwagenmanufakturen oder so krams.
Ich rede von Kunst und Musik, von Literatur und von gesellschaftlichen Bewegungen.

Und mitten in dieser Stadt bin ich mit meiner Kamera.

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